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Unterrichtsausfall hoch ’n’ in Thüringen

Aktuelle Stunde auf Antrag der Fraktion der DIE LINKE – Drucksache 5/6108

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, wir hatten vor einem halben Jahr dasselbe Thema schon einmal in der Aktuellen Stunde auf der Tagesordnung und Unterrichtsausfall hoch ’n’, es scheint kein Ende zu nehmen und es scheint eine unendliche Folge von Unterrichtsausfällen in Thüringen zu geben, die inzwischen nicht mehr einzuholen sind. Deswegen werden wir mit diesem Thema auch immer wieder den Landtag beschäftigen, bis wir glauben, dass sich die Situation verbessert hat. Denn die Situation hat sich nicht positiv verändert, das habe ich gerade versucht, anzudeuten. Viele Lehrer und Lehrerinnen, Eltern, aber auch Schülerinnen und Schüler berichten uns fast wöchentlich, dass an ihren Schulen der Unterricht nicht nach Plan gehalten werden kann. Aus unserer Sicht ist es aber Kerngeschäft eines Kultusministeriums, Unterricht abzudecken, Unterricht zu sichern und damit qualitativ gute Bildung an Thüringer Hochschulen zu sichern.


(Beifall DIE LINKE)


Wenn wir uns die Zahlen des Thüringer Lehrerverbands aktuell anschauen, die ja die Schulen selbst befragt haben, so erkennen wir ein Bild, welches uns erneut aufschrecken lassen sollte. Allein in den beiden Wochen vor den Winterferien, das sind die Kalenderwochen 6 und 7, sind zwischen 12 und 13 Prozent der vorgesehenen Unterrichtsstunden ausgefallen. Natürlich ist es kein umfassendes Bild, das bedeutet nur, dass die 33 beteiligten Schulen in einer Woche im Durchschnitt 42 Ausfallstunden pro Schule und Woche hatten. Beispiele kann ich Ihnen ad hoc geben, 10 Wochen Deutschunterrichtsausfall Klasse 9 am Albert-Schweizer-Gymnasium in Erfurt. Eine Grundschule im Landkreis Sonneberg beginnt mit 30 Stunden die Woche Unterrichtsausfall und, und, und, das zieht sich quer durch das Land. Und wenn Sie mir jetzt vorwerfen, dass ich die Zahlen wieder aufblähe oder nicht sachorientiert argumentiere, fragen Sie einmal Ihre Kolleginnen und Kollegen, fragen Sie einmal Eltern, welches Kind eigentlich noch planmäßigen Unterricht hat oder ob, und das ist die Schlussfolgerung, Unterrichtsausfall in Thüringen nicht zur Regel geworden ist, statt zur Ausnahme. Wir benötigen als Allererstes eine transparente und für alle zugängliche Statistik, weil das eine genaue Situationsanalyse ergeben kann. Ich will auch sagen, warum. Fachfremd vertretener Unterricht ist Unterrichtsausfall in dem Fach, wird aber so nicht erfasst. Eine Deutschstunde, die durch Englisch vertreten wird, ist und bleibt Unterrichtsausfall in Deutsch. Klassenzusammenlegung, Stillbeschäftigung, Wegfall der Doppelbesetzung im gemeinsamen Unterricht und so weiter, das alles sind ebenfalls Auswirkungen von Unterrichtsausfall. Nach unseren letzten Zahlen wurde jede zweite Vertretungsstunde fachfremd erteilt. Dies findet sich aber nicht in den Statistiken des Kultusministeriums, da ist die Rede von 4 bis 5 Prozent Unterrichtsausfall. Und von dem, was ich vorher gesagt habe, dass wir in wenigen Wochen schon von 12 bis 13 Prozent reden, da gibt es natürlich Wochen, wo es mehr der Fall ist, weil einfach Grippewellen sind und so weiter, ist das schon ein deutlicher Unterschied.


Jetzt geht es aber natürlich nicht nur darum, die Statistik der Landesregierung hier zu diskutieren, denn eines ist auch klar, hundertprozentig werden wir Unterrichtsausfall nie auf Null senken können, das ist einfach so, wenn Menschen mit Menschen umgehen. Trotzdem, wie sollen Schülerinnen und Schüler zu einem vergleichbaren Wissen gelangen, wenn sie beinahe wöchentlich den Unterrichtsablauf umgestellt bekommen, Unterricht geändert, gestrichen oder vertreten wird. Dass dieses Thema auch bei den betroffenen Schülerinnen keine Jubelschreie auslöst, haben uns auch die Demonstrationen in Bad Salzungen und Gotha gezeigt. Unsere Lehrerinnen und Lehrer arbeiten bis zur Belastungsgrenze. Sie geben an den Schulen ihr Bestes, um Schlimmeres abzuwenden, sind aber nicht ewig belastbar. Und dass wir mit einem Altersdurchschnitt von 52 Jahren unsere Lehrerschaft tatsächlich jeden Unterrichtsausfall auch als Mehrbelastung derjenigen anerkennen müssen, ist vollständig klar. John Hattie hat in seiner Meta-Analyse aufgezeigt, dass der Lehrer der wichtigste Aspekt ist, wenn es um guten Unterricht geht. Deswegen ist es eine Verpflichtung von uns allen, Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen, damit sie sich auf Unterricht konzentrieren können und pädagogische Arbeit machen können. Wir brauchen in Thüringen ein schlüssiges und langfristiges Personalentwicklungskonzept im Schulbereich. Ich weiß, dass im Ministerium daran gearbeitet wird zusammen mit Gewerkschaften und anderen. Es muss endlich auf den Tisch. Wir haben Ihnen gezeigt, wie wir Vertretungsreserven aufbauen können. Wir haben im Haushalt das Doppelte an Lehrerstellen neu eingestellt gehabt, als das die Landesregierung vorgeschlagen hatte. Dem ist nicht stattgegeben worden, aber das A und O ist, Lehrerinnen und Lehrer müssen in Thüringen eingestellt werden, sonst kriegen wir dieses Problem nicht in den Griff.


(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


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