Klimaanpassung von links

Selbst wenn es endlich zu radikalem Umsteuern käme, würde strenger Klimaschutz erst in der Zukunft Wirkung zeigen. Deshalb sollte Klimaanpassung stärker in den Fokus linker Diskussionen rücken. Denn die Klimafolgen zeigen sich schon jetzt, sie bringen soziale Verwerfungen mit sich und deshalb sind Konzepte der Anpassung von links so wichtig. 

Die Zeitschrift »LuXemburg« hat sich der Sache jetzt in einem lesenswerten Schwerpunktheft angenommen. Nick Reimer gibt dort einen Überblick über die Szenarien der Klimaforschung und beschreibt, wie selbst im Falle radikaler Klimaschutzmaßnahmen zunächst erst einmal Temperaturanstieg, Hitzewellen, Extremwetter und Trockenheit zunehmen werden. Die unmittelbaren Folgen haben alle eine soziale Dimension, denn ob es nun neue Gesundheitsrisiken sind, ob neue Infrastrukturen und Umbau nötig werden, ob die Landwirtschaft unter Druck gerät – in der Regel werden Menschen mit geringeren Einkommen mehr belastet werden, sind eher betroffen oder haben weniger Chancen, sich der Folgen der Klimakrise zu erwehren.

Was das für die gesellschaftliche Linke heißt, umreißen Ulrich Brand, Barbara Fried, Hannah Schurian, Markus Wissen und Rhonda Koch in einer Art programmatischem Leitartikel: »Es fehlt an ausreichenden Infrastrukturen und Ressourcen, um mit Hitzewellen, Dürreperioden, Starkregen und Wasserkrisen umgehen zu können. Den Preis zahlen vor allem diejenigen, die am wenigsten haben. Klimaanpassung ist damit eine soziale Frage, eine der Fragen unserer Zeit, an der sich die Richtung der gesellschaftlichen Entwicklung entscheidet.« Sie dürfe deshalb in der Linken nicht weiter so oft beiseitegeschoben werden. 

Denn was bisher an Klimaanpassung die Regel ist, geschieht vielerorts »nicht proaktiv, sondern reaktiv, nicht demokratisch, sondern autoritär, nicht öffentlich und universal, sondern privatisiert und technokratisch. Allzu oft blendet sie die enorme soziale Ungleichheit aus, die von den Klimafolgen noch verschärft wird. Anpassungspolitik müsste diejenigen ins Zentrum stellen, die am stärksten betroffen sind, und auf gute Lebensverhältnisse für alle zielen.« Was das bedeutet, wo die Schwächen und Fehler von Maßnahmen der Klimaanpassung liegen und welche »Hebelpunkte, Möglichkeiten und Grenzen« eine linke Anpassungspolitik hat, darüber braucht es mehr Debatte, gerade auch vor Ort mit schon engagierten Initiativen, mit denen, die als Betroffene am besten wissen, was nötig ist, mit der Kommunalpolitik, Betrieben, der Zivilgesellschaft.

Einen Blick darauf, womit linke Klimafolgenanpassung in der Praxis konfrontiert ist, wirft das Gespräch mit Ingo Tebje in der Schwerpunkt-Ausgabe. Der Bremer Bürgerschaftsabgeordnete der LINKEN spricht darin unter anderem über die 2019 eingesetzte Enquetekommission zum Klimaschutz, über Konflikte um die richtigen Strategien, die soziale Dimension von Anpassungspolitik und linke Kernpunkte. Hier geht es zur Online-Ausgabe des Heftes von »LuXemburg«. (aus Susannes Büros)